13.05.10 / Facebook und die Weltherrschaft

Von Raphael Gueller.

Ein Uni-Leben ohne Facebook ist kaum noch vorstellbar. Wahlkampf wird auf der Plattform geführt, die WG-Partyeinladung gibt es nur noch online, genauso wie am nächsten Morgen die Fotos vom grossen Absturz. Deshalb folgt hier ein Überblick aus der Welt der digitalen Identität.

Vor drei Wochen hat Facebook an der f8-Entwicklerkonferenz einen Ausblick auf die Weiterentwicklung des Netzwerks gegeben. Unter anderem wird der “Like”-Button auf das ganze Internet ausgeweitet und Facebook gewährt auserwählten Websites Zugriff auf die Benutzerdaten des Besuchers, damit diese ihren Content für diesen personalisiert anpassen können. Der Nutzen der Veränderungen ist momentan noch schwer abzuschätzen. Interessant wird es auf jeden Fall, wie zum Beispiel das Projekt likebutton zeigt.

Viele reagieren aber auch skeptisch auf die neusten Ankündigungen, manche schlagen Alarm, dass Facebook dabei ist, die Privatsphäre der Nutzer zu untergraben. Wired ruft zum Aufstand auf: Facebook’s Gone Rogue; It’s Time for an Open Alternative.

Besorgnis um den Datenschutz ist berechtigt, besonders in Anbetracht der in letzter Zeit häufiger vorkommenden Sicherheitslecks beim blauen Onlineriesen. Entgegen allen pessimistischen Rufen zeigt die New York Times aber auf, dass die Generation der Digital Natives sehr wohl einen reflektierten Umgang mit der Onlinewelt pflegen kann.

Wer jetzt selber abgeschreckt wurde und sein Leben auf Facebook beenden will, der sei an dieser Stelle auf die Seite Seppukoo verwiesen, die einem beim”Virtual Suicide” assistiert. Wer sich jedoch weiterhin hedonistisch selber im Netz vermarkten will, dem sei dieser Artikel mit wichtigen Insights über den Flirt-Faktor verschiedener Profilbilder ans Herz gelegt. Falls dies nicht klappt bleibt immer noch eine Alternative: Arsebook, das anti-social Netzwerk.

Fröhliches facebooken!

18.03.10 / Frühlingsputz

Von IddaWG.
IddaWG Frühlingsputz

IddaWG Frühlingsputz

Wer kennt es nicht….

Geht der Schnee, so kommt die Pflicht. Durch die nun längeren und schöneren Frühlingstage erhellen sich die dunkelsten Ecken einer jeden Studentenbude. Dadurch erkennt man was man nicht erkennen will. Ganz unbemerkt, im Schatten der langen Nächte, zog ein weiterer Mitbewohner ein: Prof. Dr. „Schmutz-ig“. Der geehrte Professor Schmutz-ig hat sich langsam aber gründlich in der ganzen Wohnung breit gemacht. Schon hört man aus den Zimmern rufen: „Mer sött mal wieder…“. Zu Beginn werden die Rufe noch durch genervtes „Seufzen“ abgewimmelt. Da wird sogar die bekloppte Spongebob-Folge zum Blockbuster. Durch die immer deutlicher werdenden Aufforderungen, kombiniert mit dem eigenen schlechten Gewissen und dem Ekelfaktor, erkennt die innere Stimme: „So, ezt sött mer aber wükli wieder mal…“ Bis sich dann aber effektiv ein Bewohner dazu aufrafft um einen Termin mit seinen Mitbewohnern zu vereinbaren können weitere Tage ja sogar Wochen vergehen. Die Umstände werden durch den koordinativen Aufwand weiter erschwert. Hat Mitbewohner Nummer eins – wir taufen ihn an dieser Stelle einfach mal „Johnny“ – am Mittwoch Nachmittag einen freien Termin, findet zu dieser Zeit die Yoga Stunde von Mitbewohnerin Nummer zwei – „Silvia“ – statt. Dienstag Morgen passt Silvia, aber „Michi“ – logischerweise Mitbewohner Nummer drei – hat dort sein allwöchentliches Squashtreffen. Bis dann schlussendlich ein gemeinsamer Zeitpunkt – dank Doodle und der modernen Technologie – ausgemacht wurde, ist bereits eine weitere Woche vergangen.

Donnerstag 1400, Semesterwoche 4: D-Day und totaler Angriff gegen Professor Schmutz-ig.

Für den Tanz mit dem Besen unerlässlich sind die richtigen Klänge. Während Johnny die „Play-putz-list“ erstellt und Silvia die Waffen durchlädt, stellt Michi die ToDo-List zusammen: Staubsaugen, Boden überschwemmen, Fenster zerschlagen, Schaben aus der Küche vertreiben, „Donnerbalken“ reinigen, IKEA Lampen mit Birnen nachrüsten, Schutzwall aus Karton und Zeitung bauen, Verbindlichkeiten tilgen, etc…

Es beginnt nun das Raufen um die einfachsten „Ämtlis“. Um es möglichst demokratisch aufzuteilen eignen sich verschiedene Verteilungsarten: Will man es für alle Beteiligten so unbefriedigend und langwierig wie möglich gestalten, bietet sich das Biddingsystem an. Will man aber den WG-Frieden nachhaltig konservieren, eignet sich das „First Come First Serve – Verfahren“. Michi gräbt sich mit dem Staubsauger unter das Sofa, während sich Silvia an die milchigen Scheiben wagt. Johnny bevorzugt hingegen das Zusammentragen und Entsorgen alter Neuigkeiten. Mit jedem Sonnenstrahl mehr, der nun den Weg in die Wohnung findet, kommt bei Michi die Ernüchterung, dass er eine weitere Runde mit seinem nervtötenden Staubsauger drehen muss. Wesentlich zu dieser Erkenntnis beigetragen hat Johnny mit seinem präzisen und positiven Feedback. Da die körperlichen Voraussetzungen von Silvia es nicht zulassen eine IKEA Birne ohne Lebensgefahr einzusetzen, tritt sie die Aufgabe würdevoll an Johnny ab, der aber immer noch mit der Zurechtweisung von Michi beschäftigt ist. Lange Rede kurzer Sinn: Michi arbeitet während seine Mitbewohner den Anblick seines Hinterns unter dem Tisch geniessen.

Nachdem auch die letzten Eingriffe gegen Prof. Schmutz-ig vorgenommen wurden und die ToDo zu einer HaveDone Liste umbenannt wurde, lassen die Bewohner voller Stolz und Befriedigung ihre Blicke über die klinisch saubere, wohlriechende und glänzende Wohnung schweifen. Und sie sahen, dass es gut war.

Und die Moral von der Geschicht, putzen schadet nicht.

13.12.09 / Relativierte Schönheit

Von Charly Claesson.

In der aktuellen und letzten Ausgabe dieses Semesters dreht sich alles um das Thema Schönheit.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters? Nun, der folgende Film von Doves «Initiative für wahre Schönheit» relativiert diese Aussage… Der Hersteller von Pflegeprodukten öffnet dem Medienlaien mit dem Film «Evolution» die Augen. Die perfekten Züge und Formen der Fotomodels und Stars werden entzaubert und die Selbstzweifel eines jeden, Frau wie Mann, wieder auf den Boden geholt:

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Wir haben soeben gesehen, wie das Model auf diesem Plakat, welches für Foundation wirbt, mittels den Küsten von Make-up Artists und den Fertigkeiten von Photoshop-Profis kreiert wurde. Weist nicht nicht jede Werbung für Beauty-Produkte auf einen Mangel unseres Aussehens hin? Unsere Wimpern sind zu kurz, unsere Haut nicht weich oder eben genug, die Haare haben glänzender und voluminöser zu sein. Umgeben von solcher Propaganda ist es nicht wunderlich, dass Selbstzweifel und Unsicherheit aufkommen. Der Vergleich mit den künstlich perfekten Bildern erschwert den Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens doch erheblich.

«Angriff». Der zweite Film, den ich mit Euch teilen möchte, gibt eine geniale Zusammenfassung der heutigen Welt, indem er die Attacken der Werbeplakate und Medienbotschaften unseres Alltagslebens aufzeigt. Er ruft Mütter dazu auf, ihre Kinder in dieser gekünstelten und verdrehten Welt die Bedeutung von innerer und natürlicher Schönheit beizubringen, bevor sie im Getümmel und unter Einfluss der Kosmetikindustrie anfangen, diesen «Vorbildern» vergebens nachzueifern. Die dagegen lancierte «Dove Aktion für mehr Selbstwertgefühl» richtet sich an Kinder und Jugendliche weltweit und soll bis Ende 2010 fünf Millionen an der Zahl erreicht haben. Ziel ist es, über die Realität hinter den « perfekten» Schönheitsidealen aufzuklären.

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Meiner Meinung nach sollten wir mit höherem Bewusstsein dieser Attacken durchs Leben gehen und uns den Begriff Schönheit nicht von absatzorientierten Firmen diktieren lassen. Ausstrahlung, Natürlichkeit und Achtung trocknen weniger schnell aus als eine Wimperntusche oder ein Fläschchen Make-up.

Schönheit liegt doch im Auge des Betrachters.