25.05.11 / Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Von Melanie Frick.

“Andrés Iniesta macht Spanien zum Weltmeister” (Tagesanzeiger online vom 11.7.2010)

“Schlimmste Flut seit Menschengedenken in Pakistan” (NZZ online vom 9.8.2010)

“Obama bedauert Enthüllungen durch Wikileaks” (ZEIT online vom 12.12.2010)

Täglich lesen wir Schlagzeilen über Ereignisse auf der ganzen Welt. Wir werden mit Informationen geradezu überschwemmt. Dabei erscheint es fast unmöglich, sich so viele Details merken zu können. Manche Ereignisse sind so ergreifend und doch so unnahbar. Man hört die Nachrichten, kann sich darunter aber gar nichts Genaues vorstellen, da es für einen selbst realitätsfremd zu sein scheint.

Bilder helfen uns, zu verstehen. Sie konkretisieren die Geschehnisse und liefern uns einen Beweis. Dies ist einer der Gründe, weshalb in Amsterdam jährlich der «World Press Photo Award» für die besten Pressefotos des Jahres verliehen wird. Mitmachen können freie Pressefotografen, Presseagenturen, Zeitungen und Magazine. Es gibt zehn Kategorien, wobei jeweils die drei besten Einzelbilder und Fotoserien ausgezeichnet werden. Die Bilder werden auf eine Wanderausstellung durch die ganze Welt geschickt. Momentan ist die Ausstellung in Zürich im Papiersaal noch bis am 5. Juni zu sehen.

Wenn man den Ausstellungsraum betritt, springt einem gleich das Siegerbild der Kategorie  Portraits Singles» und zugleich das «World Press Photo oft the Year» ins Auge. Darauf ist das verstümmelte afghanische Mädchen Bibi Aisha abgebildet, das vor ihrem gewalttätigen Ehemann floh und deshalb mit Gesichtsverstümmelung bestraft wurde. Das von Jodie Bieber (Südafrika) geschossene Bild erschien im «Time-Magazine» auf der Titelseite und berührte weltweit Tausende von Menschen.

In der Kategorie «People in the News Singles» wurde Seamus Murphy (Irland) mit dem zweiten Platz für das Portrait von Wikileaks Gründer Julian Assange ausgezeichnet.

Es gibt jedoch auch Bilder, bei denen strittig ist, ob sie überhaupt unter Fotojournalismus fallen. World Press Photo 2011 zeichnete den Fotografen Michael Wolf (Deutschland) für seine Arbeit bei Google Street View mit einer Honorable Mention» aus. Ob verzerrte Bilder, die Menschen zum Teil in sehr unglücklichen Situationen zeigen, noch unter Journalismus fallen, darüber lässt sich streiten.

Das ein oder andere Bild lässt einem sogar schmunzeln. So auch die Fotoserie von Wolfram Han (Deutschland), der junge Leute darum bat, ihr Profilbild bei «MySpace» nachzustellen und sie währenddessen portraitierte.

Was in der Ausstellung jedoch einmal mehr verdeutlicht wird, ist, wie schön unsere Natur ist und was mit ihr passiert, wenn der Mensch zu stark auf sie einwirkt. Eine der schönsten Fotoserien der ganzen Ausstellung sind die Bilder von Singschwänen von Stefano Unterthiner (Italien). Die Fotos entstanden hauptsächlich in Hokkaido, Japan, wo er zusammen mit seiner Frau bei eisigen Temperaturen von bis zu minus 30 Grad sechs Wochen lang ausharrte, um die Fotos zu schiessen.

Alles in allem bietet die Ausstellung das richtige Mass an Abwechslung und ruft ein Bild manch vergessene oder verdrängte Erinnerung des Jahres 2010 wieder ins Bewusstsein.

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