Auf der Flucht und auf der Suche. Gejagt und jagend. Keine Zeit zu ruhen: Wer ist Hanna? Du. Man hetzt mit ihr durch den Film. Die schönen Momente sollen bleiben- der Fahrtwind im Haar, ohne Licht fahren, sich an dem jungen Spanier festhalten- doch sie verfliegen. Die schnellen Bildwechsel, die hämmernde Musik- man hat keine Wahl, immer weiter. Bis Hanna wieder ein Moment der Ruhe gegönnt wird. Man jagt mit ihr durch den Film, auf der Suche nach Marissa Wiegler, die sie finden muss, bevor sie gefunden wird. Nur eine von ihnen kann leben.
„Hanna” heisst der neue Film von Joe Wright, der seit letzter Woche in den Schweizer Kinos läuft. Nach Stolz und Vorteil oder Abbitte beschäftigt sich der Regisseur mit einem zeitgenössichen Stoff, bleibt seinem Fokus auf starken Frauen aber treu. Auch wenn diese noch ein Teenager ist. Hanna ist übermenschlich, schneller, stärker, intelligenter. Gerade aus diesem Grund ist sie in Gefahr, muss die ihr unbekannte Marissa Wiegler töten, um in Sicherheit zu sein. Ihre Jagd führt sie von der Arktis nach Marrakesch, und von dort nach Berlin. Schnell und ruhelos wie der ganze Film bietet diese Stadt die ideale Kulisse für den unausweichlichen Showdown.
Dank einer überzeugenden Saorise Ronan (Hanna) wird dem Film Leben eingehaucht, man kommt weg von den Actionszenen, sieht eine Figur dahinter. Blass und stark in einem, weiss sie nur aus Lexika was Elektrizität und Küssen ist. Doch auch ihre Widersacherin Cate Blanchett glänzt in ihrer Rolle als kalte, kontrollierende CIA-Agentin. Man will sich nicht mit ihr identifizieren, zu gefühllos wirkt sie. Doch nicht nur die schauspielerischen Leistungen beeindrucken, auch die Inszenierung an sich: Selten wurde die Grausamkeit von Gewalt derart geschickt und durch die Geschichte eines Kindes dargestellt. Folter als ein Varietéstück. Die Filmmusik, die vollumfänglich von den Chemical Brothers eingespielt wurde, liefert die perfekte Kulisse für den Film und es überrascht somit auch nicht, dass man sich zeitenweisen in einen düsteren Musikclip versetzt fühlt.
„Hanna“ ist eine Reizüberflutung. Eine, der man sich gerne aussetzt.
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