31.08.11 / “You’re in love with a fantasy.”

Von Sebastian Greulich.

Die gute alte Zeit. Wem dieser Slogan öfters einmal über die Lippen rutscht, für den könnte sich die Auseinandersetzung mit Woody Allens 42. Unterfangen als Spielfilm-Regisseur lohnen. Dem Wunschszenario, in die Vergangenheit zurückversetzt werden zu können, geht der Regisseur in seinem jüngsten Werk auf den Grund.

Die Romantikkomödie Midnight in Paris stellt die Bemühungen des Hollywood-Autors Gil dar, der versucht seinen tiefgründigen Roman über einen Antiquitätenhändler fertigzustellen, aber unter einer Schreibblockade leidet. Seine Verlobte Inez, mit deren Eltern die beiden sich auf einer Reise in die französische Hauptstadt befinden, kann diesem Unterfangen nicht viel abgewinnen, und versteht nicht, warum Gil sein lukratives Drehbuchautoren-Dasein nicht fortsetzen möchte. Alle Figuren sind von Allen bewusst stereotypisch überzeichnet. Gil als nachdenklicher Romantiker, die schöne Inez als oberflächliche, verwöhnte Tochter und ihre Eltern als radikale Tea-Party-Anhänger, für die die französische Kultur und Bräuche fast gänzlich unverständlich sind. Insbesondere die kulturelle Divergenz zwischen Gil und Inez führen dazu, dass die beiden Paris mehr und mehr getrennt erleben. So genießt der Autor es, sich vom Regen in der Metropole beim Umherwandern inspirieren zu lassen, wohingegen Inez den Regen nur als unnötiges Hindernis vor dem nächsten Shoppingtrip betrachtet.

Überrascht wird der etwas deprimierte Gil, als er sich bei seinem Umhertreiben in Paris verläuft. Eine alte Limousine mit leicht beschwipsten Insassen bietet ihm eine Mitfahrgelegenheit an. Ziel ist das Paris der 20er Jahre. Diese von Woody Allen mit sehr viel Witz und Eleganz inszenierte Zeitreise lässt Gil die großen Künstler dieser Zeit treffen. Neben F. Scott Fitzgerald, Hemingway oder der Kritikerin Gertrude Stein, geben sich auch Picasso und Dalí die Türklinke in die Hand. Gil genießt es sichtlich, in dieser kreativen Umgebung zu verweilen und holt sich bei Hemingway und Co. wichtige Ratschläge für seinen eigenen Roman.

Wer etwas für die Art wie Woody Allen Filme macht übrig hat und einigen Ikonen der Kultur in einem amüsanten Ambiente (neu) kennlernen möchte, dem ist Midnight in Paris zu empfehlen. Auch die Gastrollen von Adrien Brody und Carla Bruni bereichern das Filmerlebnis. Letztendlich gelingt Allen mit diesem Film etwas ganz besonderes. Denn obwohl praktisch jede Minute zum Versinken in Nostalgie anregt, geht man doch mit dem Gefühl aus dem Film, dass die eindrucksvollsten Erlebnisse in der Gegenwart stattfinden.

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