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Everything Everything – alles, alles

Archivierter Artikel von Ausgabe «prisma 333 - Stil» (18.04.2011)
Eine neue Band gibt den Briten Hoffnung, dass ihre Musik zu alter Stärke zurückfindet.

Von Raffael Hirt.

Es passiert ungefähr alle Schaltjahre einmal, dass eine Platte im Tages-Anzeiger eine positive Kritik erhält. Im letzten Herbst passierte es jedoch zwei Mal in kurzer Folge. Den einen Tipp – das neue Album von Sufjan Stevens – kann man meiner Meinung nach getrost ignorieren, aber «Man Alive», der Erstling der britischen Alt-Rock-Band Everything Everything, hat die Lorbeeren definitiv verdient.

Die junge Band besteht aus vier aus allen Ecken Englands stammenden Mitgliedern und gibt als Sitz die Metropole Manchester an. Von dort machte sie sich auf der ganzen Insel einen Namen. So wurde die Band Ende 2009 von der BBC als «Sound of 2010» empfohlen – zusammen mit Acts wie Ellie Gould oder The Drums. Im darauffolgenden Sommer spielte die Band erstmals am dauerausverkauften Glastonbury Festival – eine Performance, die dieses Jahr wiederholt wird. Im Herbst letzten Jahres erschien dann das erwähnte Album. Momentan befindet sich das Quartett auf Europa-Tour.

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Sowohl beim Hören ab Platte als auch live begeistert bei Everything Everything das Gesamtpaket. Markante Beats und Riffs mit Wiedererkennungseffekt reichen zwar heute nicht mehr aus, um aus dem Einheitsbrei der modernen Popmusik herauszuragen. Die freien Wechsel von Frontmann Jonathan Higgs zwischen Kopf- und Bruststimme und die genialen, von Apokalypse, Erbsünde sowie Selbstfindung und -verlust im Internetzeitalter sprechenden Texte hingegen grenzen die Band von jeglichem Mainstream ab und geben ihr ein Element, das heutzutage vielen Pop-Acts fehlt: Stil.

Die Kurzlebigkeit der Songs macht Laune, die Poetik der Lyrics lädt zu mehrmaligem Durchhören ein. Das Album verdient viel mehr als die 419 Likes auf iTunes Ping, die Band mehr als ihre 1441 Followers. Es bleibt zu hoffen, dass Bands wie Everything Everything ihr Potenzial umsetzen können, um die britische Musik aus dem Loch zu befreien, in das sie nach der Auflösung von Oasis und dem Kollaps der Brit-Indie-Welle um Franz Ferdinand, Arctic Monkeys und Kaiser Chiefs fiel.

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