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Intelligentes studentisches Recruiting – Jobzippers

Seit kurzem ist eine neue Recruiting Webseite für Studenten in den Weiten des World Wide Web zu finden. Unser Redaktor Lukas Amacher sprach mit dem Gründer Peter Vogel über die Seite und über unternehmerische Erfahrungen.

Von Lukas Amacher.

Bei uns an der HSG hört man oft: «Ich will Unternehmer werden». Mit Jobzippers habt du und dein Team etwas auf die Beine gestellt, das schon über 82 (inter-)nationale Firmen beeindruckt hat. Wie hat das Ganze angefangen?
Den Grundstein zu Jobzippers haben mein Mitgründer und ich Ende November 2007 gelegt, als wir merkten, dass es im Bereich des studentischen Recruitings ein enormes Defizit gibt. Damals haben wir uns selber ein wenig mit dem Thema Berufseinstieg beschäftigt und mussten feststellen, dass «Career Services» an Hochschulen nur selten gut umgesetzt sind. (Die HSG ist sicherlich eines der Ausnahmebeispiele, wo viel Zeit und Geld investiert wurde, um etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen. Das ist an vielen anderen Hochschulen nicht der Fall.) Daher bieten wir eine zentralisierte Lösung an, die den Hochschulen die Mühen erspart, etwas Eigenes aufbauen zu müssen. Da wir beide keine Programmierer sind, war der nächste logische Schritt, ein funktionierendes IT-Team auf die Beine zu stellen. Hier haben wir dann im Dezember 2007 über einen Bekannten von mir einen Glücksgriff gemacht und zwei Programmierer sowie einen Designer gefunden. Danach haben wir ein Konzept erstellt und uns an die Umsetzung gemacht.

Wie sieht dein Lebenslauf aus? Hast du studiert?
Ich wurde 1984 in München geboren. Ich bin amerikanischer und österreichischer Staatsangehöriger. Im Jahre 2000 habe ich gemeinsam mit einem Kollegen ein Lifestyle-Magazin für die Bodensee-Region mit einer Auflage von 35'000 Exemplaren gegründet. Dies hat mich sicherlich unternehmerisch geprägt, gerade weil ich in dem Alter bestimmt einige zusätzliche Hürden nehmen musste, um Kunden zu gewinnen. Im Jahre 2004 habe ich an der ETH Zürich ein Maschinenbaustudium begonnen. 2007 habe ich dann den Bachelor in den USA am Georgia Institute of Technology abgeschlossen. Seit Ende 2007 bin ich im Masterstudium der Medizintechnik an der ETH und schliesse dieses Ende März ab.

Hast du von akademischer Seite her irgendwelche unternehmerische Bildung oder denkst du, dass man Unternehmertum eher im Blut hat?
Ich hatte bisher weder eine unternehmerische noch eine wirtschaftliche Bildung. Ich denke nicht, dass dies eine Voraussetzung ist, um ein erfolgreicher Unternehmer zu sein. Ich denke, dass für das Unternehmertum am Anfang einige Grundkonzepte ausreichen (Business Development und Finanzplanung). Das sind aber alles Dinge, die man sich mit ein wenig Fleiss sehr schnell selber beibringen kann. Ich glaube, dass das Commitment des Teams sowie das USP des Produktes viel wichtiger sind als der Hintergrund des Gründers.

Was denkst du zum Internetunternehmertum (Facebook etc.)? Glaubst du, dass das Internet im Bereich der Unternehmungsmöglichkeiten überbewertet wird, oder findet einfach eine «Verschiebung» von Produkten statt, sozusagen die Wegbewegung von physischen Produkten hin zu immateriellen Dienstleistungen?
Ich finde es sehr beneidenswert, wenn man mit solchen Ideen so schnell so viel Geld machen kann. Als Maschinenbauer schüttle ich da natürlich ein wenig den Kopf, da für mich ein Mehrwert mit etwas Greifbarem assoziiert ist. Man sieht ja bei einigen dieser Plattformen, dass sich die Investoren damit schwertun, nur annähernd die horrenden Beträge, die sie einst in diese Unternehmen gesteckt haben, wieder zu erwirtschaften. Das Internet bietet natürlich enorme Möglichkeiten, insbesondere, wenn man ein global aktives Unternehmen gründen will. Das war früher nicht so einfach möglich. Aber man darf sich als Gründer einer Internet-Firma nichts vormachen. Viele Firmen verschwinden mindestens genauso schnell wieder, wie sie entstanden sind. Daher sollte man umso mehr darauf achten, dass das USP der Firma die Gründung rechtfertigt. Immaterielle Dienstleistungen werden nie physische Produkte ersetzen. Es ist lediglich eine Erweiterung der Produktpalette, die den Abstrahierungsgrad immer weiter treibt.

Glaubst du, dass sich Sozialnetzwerke auszahlen werden oder dass sie früher oder später wegen mangelnder Profitabilität wieder umgestaltet werden müssen?
Ich denke, dass solche Netzwerke eine unglaubliche Macht haben. Das sieht man ja auch an den kürzlich durchgeführten Änderungen der AGB von Facebook, die zu einem globalen Aufstand geführt haben (bzw. noch führen werden). Personalisierte Werbung ist grundsätzlich eine sehr lukrative Angelegenheit, auch wenn derzeit der Revenue-Stream der Website-Werbung sicherlich nicht der interessanteste ist. Ich sehe die Entwicklung solcher Internet-Portale ein bisschen wie Grundlagenforschung. Man experimentiert, modifiziert – und plötzlich hat man eine Lösung. Auch wenn man nicht sofort weiss, was man nun mit diesen bahnbrechenden Resultaten anfangen soll: irgendwann wird eine profitable Anwendung kommen.

Erkläre mir das Prinzip von Jobzippers. Was ist die Neuheit und der Vorteil gegenüber anderen Jobplattformen und Recruiting-Diensten?
Jobzippers bindet sich an Hochschulen an und baut dadurch ein zentralisiertes Netzwerk von Career Services auf. Dies bietet zum einen den Mehrwert, dass Unternehmen über eine zentrale Plattform gleichzeitig auf mehrere Hochschulen zugreifen können. Darüber hinaus bieten wir neben der Vernetzung zur Industrie auch eine Vernetzung innerhalb der Hochschulen an, d. h. dass sich Institute präsentieren sowie Thesen ausschreiben können. Es gibt eine Vielzahl von Jobbörsen im Internet, aber um ein Career Center betreiben zu können, muss eine sehr breite Produktpalette angeboten werden. Jobzippers offeriert neben den klassischen Elementen – Unternehmensporträts und Ausschreibungen für Jobs, Praktika, Trainee- und PhD-Positionen sowie für Thesen – auch noch weitere Produkte: Der CV-Generator ermöglicht es Studierenden und Absolventen, schnell und effizient einen Lebenslauf anzulegen. Dieser kann für alle Bewerbungen über Jobzippers direkt in die virtuelle Bewerbungsmappe eingebunden sowie unmittelbar in ein PDF-File umgewandelt werden und dient auch dazu, dass sich Unternehmen bei den Studierenden bewerben können und nicht (nur) umgekehrt. Darüber hinaus bieten wir einen Event-Kalender sowie Event-Management an Hochschulen, Mentoring- und Alumni-Systeme, Stipendienservices in Kooperation mit der Regierung und Unternehmen sowie «Web 2.0»-Funktionen für Studierende wie z. B. die Vermittlung von Nachhilfe oder der Austausch von Dokumenten, Büchern, Prüfungen und sonstigen Unterlagen.

Wenn ich das so höre, so scheint mir Jobzippers vor allem für die Firmen sehr attraktiv zu sein. Wo liegt denn genau der Vorteil für die Studenten?
Jobzippers bietet Studierenden neben den oben genannten Punkten weitere Vorteile: Zum einen müssen sich die Studierenden durch unsere Anbindung an die Hochschulen bei uns nicht registrieren, sondern können sich einfach mit der Matrikelnummer einloggen. Dieses System besteht bisher für die Schweiz und Deutschland und wir planen, dies sobald wie möglich auf weitere Länder auszuweiten. Es gibt nichts Schlimmeres, als sich auf dutzenden verschiedenen Portalen Accounts anlegen zu müssen. Zum anderen soll ein Career Center nicht nur eine Übersicht der verfügbaren Jobs, sondern einen kompletten Service anbieten. Dazu muss man die Studierenden bereits während des Studiums für das Portal begeistern können, z. B. durch diese bereits angesprochenen Web-2.0-Features, die Vermittlung von Hilfsassistentenjobs, Praktika sowie Bachelor- und Masterarbeiten in den einzelnen Instituten der Hochschule (durch das flächendeckende Netzwerk an Career Services kann auch nach hochschulübergreifenden Arbeiten recherchiert werden, was wiederum die Internationalität fördert). Hierfür ist natürlich eine enge Zusammenarbeit mit den einzelnen Instituten notwendig. Mit Abschluss des Studiums sollte der Studierende dann über das Portal den richtigen Einstiegsjob oder aber auch eine PhD- oder Trainee-Stelle finden können. Das Mentoring-System soll dabei helfen, den richtigen Weg einzuschlagen. Niemand kann einem bessere Ratschläge geben als jemand, der irgendwann einmal dasselbe mit denselben Voraussetzungen durchgemacht hat. Sobald der Account an der Hochschule ausläuft, werden die Kandidaten dazu eingeladen, selber vom Mentee-Status in den Mentor-Status zu wechseln, um wiederum den nachrückenden Studierenden beim Berufseinstieg zu helfen. Hier soll gerade an Hochschulen, an denen noch kein ausgeprägtes Alumni-Netzwerk existiert, ein solches aufgebaut werden.

Gab es Business Angels, andere Kapitalgeber oder Förderungen in irgendeiner Art? Wenn ja, in welchem Stadium?
Am Anfang dachten wir, dass wir Venture Capital aufnehmen müssten, um ein erfolgreiches Start-up zu sein. Wir haben uns dann aber dagegen entschieden, um unseren Einfluss im Unternehmen nicht zu verlieren. Darüber hinaus wollten wir ein gewisses Mass an Flexibilität behalten, da wir ja auch noch unser Studium zu absolvieren hatten. Gerade am Anfang hat uns unser Advisory Board sehr geholfen, grundlegende Dinge zu beachten. Seit Januar werden wir auch durch das KTI Start-up-Förderprogramm der Schweizer Eidgenossenschaft unterstützt. Die Finanzierung von Jobzippers läuft derzeit komplett über mich. Das Ziel ist, noch im nächsten Quartal schwarze Zahlen zu schreiben.

Peter Vogel ist 25 Jahre alt, studiert an der ETH mit Bestnoten und ist in seiner Freizeit Sportfanatiker. Sein Portal www.jobzippers.com ist online gegangen.

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