
Peitsche
George Clooney trifft sich neuerdings mit Gott. Nicht in einer Bibelgruppe für Hollywoodstars in der Midlife-Crisis, sondern im neuen Werbespot von Nespresso. Der Allmächtige verhindert im Austausch für eine Kaffeemaschine, dass George von einem fallenden Klavier zertrümmert wird. Der kritische HSG-Student wird sich dazu einige Fragen gestellt haben. Wie verhält sich der Grenznutzen des Herrn? Handelt es sich beim Deal zwischen George und Gott in Anbetracht der spieltheoretischen Menge der Strategien um ein Nash-Gleichgewicht? Und woher kommt eigentlich das Klavier angeflogen? Wie auch immer, es ist für den bereits schwer angeschlagenen Ruf unserer Universität zu hoffen, dass die Marketingverantwortlichen von Nespresso nicht hier studiert haben. Ein paar empörte BWL-Kommilitonen werden mir wohl widersprechen. Doch über guten Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Nicht aber über guten Kaffee. Den bekommt man an der HSG genauso wenig wie Assessis einen Platz im Audimax. Kaffeesüchtige müssen zwischen Pest und Cholera entscheiden. Sie können zwölf Minuten ihrer viertelstündigen Pause in Anstehen investieren, um von der mürrischen Bedienung ein wässriges Gebräu zu erhalten. Oder sie sparen viel Zeit und 30 Rappen, indem sie sich vom Automaten eine noch ungeniessbarere Brühe besorgen, die eher nach Altöl als nach frisch gerösteten Bohnen schmeckt. Das ist eine bodenlose Frechheit. Zum einen grenzt es an Selbstironie, dass die HSG in jeder zweiten Vorlesung Kundenorientierung predigt, aber von einem Selbstversuch anscheinend nichts hält. Zum anderen werden studentische Kaffeegeniesser gegenüber Energie-drink- und Cola-Trinkern schamlos diskriminiert. Es ist Zeit, gegen diese Missstände zu revoltieren. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als den Uni-Kaffee zu boykottieren und auf den ebenfalls am Automaten erhältlichen Rindsbouillon umzusteigen. What else?
Kommentare
Diesen Artikel kommentieren
Du musst eingeloggt sein um Kommentare zu verfassen.