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Ethik als Show

Von Max Winkler.

Altbundesrat Christoph Blocher ist sich wohl für keinen medienwirksamen Klamauk zu schade. Eine andere Interpretation seiner Bewerbung für die Leitung des Instituts für Wirtschaftsethik ist auch nach diesem Interview, in dem prisma ihm die Chance geben wollte, sich abseits des üblichen Stammtischniveaus zu erklären, nicht ersichtlich.

Zu platt scheint seine pauschalisierende Schelte an den St. Galler Ethikern, welche kurzerhand als Kommunisten diffamiert und ins Reich der Utopie verbannt werden. Einem ethisch gebildeten Menschen gar unwürdig ist seine individualisierende Verkürzung des Ethikverständnisses auf die tatsächlich herrschende Praxis. Man gewinnt den Eindruck, als sei der Altbundesrat im letzten Jahrhundert hängen geblieben, wirkt er doch immer noch gefangen in seinem bipolaren ideologischen Verständnis zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Die Welt und ihre Probleme haben sich jedoch weiterentwickelt. Soziale Fragen wie das prekäre Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit, die sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich und die Folgen des Klimawandels rufen nach einem neuen, gesellschaftsgerechterem Verständnis des modernen Wirtschaftens. Ulrichs integrative Wirtschaftsethik kann an dieser Stelle durchaus interessante Ansatzpunkte liefern, stellt sie doch die Lebensdienlichkeit der Wirtschaft in den Mittelpunkt. Es bleibt zu hoffen, dass die HSG die noch immer vakante Stelle im Institut für Wirtschaftsethik in diesem Sinne neu besetzen wird.

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Kommentare

  1. Ich stimm dir absolut zu, Max! Mehr als Stammtischpopulismus ist das nicht, und dazu noch eine Beleidigung an diejenigen, die moderne Probleme ernst nehmen und mit modernen Methoden wie Ethik zu lösen versuchen und nicht starr auf der reinen Gewinnmaximierung verharren.

  2. pah89 sagt:

    Die Kritik am Vorgehen eines Herrn Blocher ist durchaus berechtigt. Gleichsam trifft er mit einigen seiner Aussagen zur Wirtschaftsethik, wie sie an der HSG - insbesondere von Herrn Thielemann - gelehrt wird - den Nagel auf den Kopf. Ich besuche nun seit einem Jahr die Wirtschaftsethik-Vorlesungen im Bachelor und muss sagen, dass diese mit Wissenschaft nicht allzu viel zu tun haben. Zitate aus der ultralinken "WoZ" oder Studentenfragen, welche die Antwort vorweg nehmen ("Zeigen Sie auf, wie Boni Integrität untergraben") erscheinen mit nicht allzu wissenschaftlich. Schlussendlich stellt sich die Frage, ob ein Glaube an den Sozialismus und die Planwirtschaft (dies liegt aufgrund der Äusserungen in den Wirtschaftsethik-Vorlesungen nahe) besser ist als die Marktgläubigkeit, die anderweitig propagiert wird. Extremismus - auf welche Seite auch immer er tendiert - hat noch immer nur geschadet.

    • BigBen sagt:

      "Extremismus - auf welche Seite auch immer er tendiert - hat noch immer nur geschadet." Was ist das denn für eine pauschale Aussage?! Schaden extrem intelligente Menschen? Verschmähst du extrem schöne Frauen? Wem schaden extrem glückliche Menschen?

  3. BigBen sagt:

    Ich finde den Kommentar von Max absolut daneben und ein ein klarer Negativpunkt an der neusten Prisma-Ausgabe. Was haben Blochers Aussagen mit Stammtisch zu tun? Sind es etwa Mainstream Meinungen, die er vertritt? Glaube ich nicht! Oder kommt das Wort "Stammtisch" eher ins Spiel, weil Blocher es schafft, seinen Punkt sehr klar und einfach zu machen, was uns mit Komplexität geimpfte HSGler (inkl. den Ethik-Dozenten) eher befremdet? Die Wahrheit muss doch nicht kompliziert sein, im Gegenteil: Gerade unter Wissenschaftlern wird oft die Meinung vertreten, dass man etwas erst richtig versteht, wenn man es simpel erklären kann. Blocher sagt selbst, dass der Kapitalismus nicht das Paradies schafft, doch schafft es der Kommunismus? Die ärmsten Menschen, die höchste Kriminalität, die gröbsten Umweltverschmutzungen, die ungerechtesten Einkommensverteilungen etc. gibt es in kommunistischen Ländern, allen voran China. Meiner Meinung gibt es keinen dritten Weg! Alles zwischen Kapitalismus und Kommunismus ist ein Gemisch der beiden und nichts Neues! Wenn ihr die Wahl habt zwischen reinem und vergiftetem Wasser, denkt ihr auch, dass ein Gemisch wohl am besten schmecken wird?

    • den kapitalismus nach den erlebnissen des letzten jahres noch immer als reines wasser zu bezeichnen ist für mich genauso absurd wie blochers kandidatur für den ethik-lehrstuhl. meiner meinung ist es klar, dass es reformen braucht. und jede alternative des kapitalismus als kommunismus zu bezeichnen, ist einfach nur ein zeichen von sturheit, intoleranz und verschlossenheit gegenüber unzähligen weiteren ökonomischen theorien. stammtischniveau also

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