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Verkratzte Rolex Daytona im Pfandleihhaus

Endlich geht es wieder los! Champagner, Frauen, schnelle Autos und Kunst. Die Highlights der Kunstmarktsaison kommen und Galeristen eilen, ihre Rolex Daytona zum Blitzen zu bringen. Blöd nur, dass das Pfandleihhaus sie nicht in der Box gelagert hat; jetzt ist sie so verkratzt.

Von MR.

Was haben sie 2009 nicht alles mitgemacht, die lieben Galeristen. Verheerender kann ein Jahr kaum sein. Verkäufe sind komplett eingebrochen. Wer kauft schon in unsicheren Zeiten Kunst?! Zahlen von Galerien haben wir keine, doch die Ergebnisse von den Auktionshäusern sprechen eine deutliche Sprache. 2009 hat Sotheby’s sage und schreibe 53 % Prozent weniger Umsatz gemacht. Bei Christie’s sieht es nicht besser aus.

Doch seit Anfang des Jahres ist endlich wieder Dampf im Kessel. Nein, die Szene blüht sogar wieder. Das Startsignal war das Rekordergebnis von Giacometti für $ 100 Millionen. Sotheby’s hat im ersten Quartal 2010 ein Umsatzwachstum von 118 % im Vergleich zur Vorjahresperiode. Der Aktienkurs zog ebenfalls an: Nach dem freien Fall der Aktie von $ 50 auf unter $ 10 liegt sie jetzt bei über $ 33. Das Wall Street Journal rät sogar, Sotheby’s Aktien zu kaufen.

So viele positive Signale lassen unserem Galeristen keinen Zweifel: Der Kunstmarkt ist wieder da! Doch leider nicht ganz. Verantwortlich für den Aufschwung ist der neue Kunstmarkt, vor allem China. Hier wurden die besten Auktionsergebnisse verzeichnet. In den beiden wichtigen Auktionen 2010 (20. Jahrhundert und Zeitgenössische Kunst) lag das Gesamtergebnis jeweils um fast HK$ 30 Millionen über dem Schätzpreis. Das plötzliche Aufblühen ist also dem chinesischen Markt geschuldet; definitiv nicht dem westlichen.

Der deutsche Galerist aus Berlin, mit dem ich kürzlich sprach, sieht das natürlich ganz anders. Auch wenn er noch hohe Schulden aus 2009 mit sich trägt: Jetzt will er es wissen und geht an die Messen in Basel. 30‘000 Euro Kredit kann er bei der Bank gerade noch rausschlagen. Die Chinesen werden schon kaufen. Er sollte sich jedoch bewusst sein: Die Chinesen bleiben mittlerweile lieber zu Hause, um Kunst zu kaufen. Ihre Hausmesse, die HKK Art Fair, ist im Mai und damit vor den Messen in Basel.

Und wenn es nichts wird mit dem guten Verkauf, macht es ja auch nichts. Die Daytona kann er ja wieder ins Pfandleihhaus bringen. Vielleicht kriegt er da im Juni schon die Memberkarte.

Zur Kolumne: Der Autor promoviert zum Thema «Management von Kunstgalerien» am KMU Institut. Regelmässig berichtet er an dieser Stelle vom Kunstmarkt. Er war bereits im Alter von 20 Jahren Teilhaber einer Galerie für zeitgenössische Kunst.

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