
Ein Leben für die Gier
Gier ist gut, Gier ist richtig, Gier funktioniert!» Mit diesem immer wiederkehrenden Mantra der Gier zog der Investmentbanker Gordon Gekko den erfolglosen Broker Budd Fox in seinen Bann und Regisseur Oliver Stone im Jahre 1987 Millionen Zuschauer in die Kinos. Bis heute bekommen Banker bei «Wall Street» glasige Augen und feuchte Hände. Michael Douglas brillierte in diesem Streifen an der Seite eines unschuldigen Charlie Sheen und erhielt dafür seinen zweiten Oscar. Der Film spielt in einer Zeit, in der Manhattan das Finanzzentrum der Welt und die Wall Street den Puls der Menschheit darstellte und manch einer wahrscheinlich wirklich glaubte, dass die Gier die USA retten würde. Es war eine Zeit, in der der amerikanische Traum für viele wahr wurde und für viele ebenso schnell wieder zerplatzte. Genau diesen schmalen Grat zwischen Erfolg und Niedergang, zwischen Reichtum und Ruin bringt Stone in eindrücklicher Weise auf die Leinwand, wenn er den Zuschauer lehrt, dass Geld manchmal auch wie ein Tritt in den Arsch sein kann.
Doch wenn jemand etwas lehrt, heisst das noch lange nicht, dass ein anderer auch etwas lernt. Diesen Schluss mag man ziehen, wenn man sich «Wall Street» 23 Jahre nach seiner Veröffentlichung durch die Brille der grössten Finanzkrise der jüngeren Vergangenheit ansieht. Und das mag auch Gorden Gekko denken, wenn er in «Wall Street: Geld schläft nicht» nach 23 Jahren, die er wegen Insidergeschäften absitzen musste, aus dem Knast entlassen wird. Zwar sehen Handys im 21. Jahrhundert nicht mehr aus wie Backsteine, doch an den Finanzmärkten hat sich nichts geändert. Oliver Stone ist ebenso mit von de Partie wie Michael Douglas, der sich noch einmal die Ehre gibt und erneut die Figur des Gordon Gekko verkörpert Doch dieser hat sich ebenso verändert hat wie seine Umwelt.
«Wall Street: Geld schläft nicht» beschreibt seinen Wandel vom rücksichtslosen Antagonisten zum ehrenhaften Aufklärer. Unglaubwürdig aufgrund seiner kriminellen Vergangenheit versucht Gekko im Jahre 2008 die Aufmerksamkeit der Gesellschaft zurückzuerlangen und ein Bewusstsein für die nahende Krise zu schaffen.
Dass die Blase trotzdem geplatzt ist und die grenzenlose Gier der Banker die internationale Wirtschaft zu Grunde gerichtet hat, wissen wir heute bereits. Warum es so weit kommen konnte und ob Gordon Gekkos Sinneswandel wirklich zu trauen ist, erfahren wir ab dem 24. September 2010 in den Kinos.
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