
Georgien – das postsowjetische Transformationsland
Als Militärbeobachter arbeitete ich zuerst für die UNO in Abkhasien und nach Ausbruch des Kaukasuskonfliktes zwischen Georgien und Russland für die OSZE im Grenzgebiet von Südossetien und Georgien. Die Aufgaben während meines ersten Einsatzes als unbewaffnete Blaumütze in Georgien gestalten sich vielfältig: Zum einen gilt es, den ausgehandelten Waffenstillstand zu überwachen, und zum anderen führen die Militärbeobachter auf ihren täglichen Patrouillenfahrten Gespräche mit der lokalen Bevölkerung über die Sicherheitslage in der Region und über ihre Lebensbedingungen, Sorgen und Gefahren. Wichtige Gesprächspartner für uns sind aber auch die russischen Soldaten an den Strassenkontrollposten entlang der De-facto-Grenze zu Abkhasien oder Südossetien. Auch die Milizionäre regionaler Gruppen suchen wir regelmässig für den Informationsaustausch auf. Ziel aller Gespräche ist es, aus den verschiedensten Puzzleteilen der Informationsbeschaffung ein möglichst realistisches Bild der Situation in den Konfliktzonen zu erhalten. Das Puzzle ist deshalb so wichtig, weil aufgrund der Angaben von uns Militärbeobachtern der UNO-Sicherheitsrat jeweils die weiterführende Strategie festlegt.
Georgien nach dem Kaukasuskonflikt
Kurz nach Ausbruch des Kaukasuskonfliktes Anfang August 2008 reise ich als OSZE-Blaumütze ins Krisengebiet zurück – eine eindrückliche und lehrreiche Erfahrung. Empfangen werde ich von Tausenden Vertriebenen, zerstörten Häusern und einer äusserst prekären Sicherheitslage. Wer wird diese Menschen in eine neue Zukunft begleiten? Der georgische Staat? Diese Fragen beschäftigen meine Kollegen und mich. Denn auch wir als Militärbeobachter können bei unseren regelmässigen Besuchen den Binnenflüchtlingen in den Lagern ausser Gesprächen und unserer Präsenz keine aktive Hilfe anbieten, sondern sie nur ein Stück in ihrem Tagesablauf begleiten. Nach jedem Treffen mit den Menschen bleibt ein Gefühl der Ohnmacht zurück, das mich nicht loslässt. Im September 2009 bietet sich im Rahmen der Abschlussarbeit meines Nachdiplomstudiums «Konfliktanalyse und Konfliktbewältigung» an der Uni Basel die Gelegenheit, zu erfahren, was aus den Menschen geworden ist und wie sie ihr Leben meistern. Ich besuche die Vertriebenencamps entlang der Konfliktzone und führe einerseits Interviews mit den Menschen über ihren Alltag und andererseits will ich vom Ministerium für Flüchtlinge und Unterkunft wissen, wie sie den Ansturm von 26‘000 Vertriebenen bewältigen.
Die Reise durch Georgien
Georgien hat als postsowjetisches Transformationsland die Richtung zu einer Demokratie eingeschlagen, muss jedoch auf seinem Weg zum Ziel immer wieder schwierige Klippen umschiffen. Während zwei Wochen gewinnen die Reiseteilnehmenden einen vertieften Einblick in die Bereiche Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Beispielsweise besuchen wir Binnenflüchtlingscamps in der ehemaligen Konfliktzone und haben die Möglichkeit, mit Vertriebenen zu sprechen. Weitere Gespräche führen wir mit einer Jugendorganisation, Studenten in Tbilisi und mit dem georgischen Ministerium für Flüchtlinge und Unterkunft. Die DEZA gewährt einen Einblick in ihre tägliche Arbeit und auch ein Gespräch mit dem Chefredaktor einer grossen georgischen Tageszeitung steht auf dem Programm. Daneben soll aber auch genügend Raum und Zeit für die landschaftlichen und kulturell-kulinarischen Höhepunkte des Landes gegeben sein.


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