Das ist für euch!
Das hier ist nicht für die Uni, die Professoren oder die Studentenschaft. Es ist auch nicht für uns, die hin und wieder selbstverliebten Hobbyjournalisten von prisma. Das ist nur für euch, die Studierenden der Universität St. Gallen.
Um genau zu sein: Das ist nicht nur für euch – das seid ihr. Das Thema dieses Heftes fasst wie keine andere Umfrage, die je an dieser Uni durchgeführt wurde, zusammen, wie der typische HSGler wirklich tickt. Die volle Dröhnung HSG! Von ganz banalen Dingen wie den durchschnittlichen Vorlesungsbesuchen über intime Details zum Sexleben bis hin zu den Zukunftsängsten der Studierenden wollten wir sehr viel wissen.
Wir waren auf eure Hilfe angewiesen und wir wurden nicht enttäuscht. Über 1‘000 Studenten haben an der Erhebung teilgenommen, wofür wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken möchten. Mit freundlicher und fachkräftiger Unterstützung von Klaus Edel von der Betriebswirtschaftlichen Abteilung, der seine Freizeit opferte und seine Geduld auf die Probe stellte, haben wir eine repräsentative Umfrage nach den Standards der empirischen Sozialforschung erstellt. Stets mit einem Augenzwinkern, aber immer wissenschaftlich. Die Guttenberg‘sche Methode ist schliesslich für die Mehrheit der HSG-Studenten kein Thema. Auch das haben wir durch diese Umfrage erfahren.
Der typische HSG-Studierende
Aber wie ist er nun, der durchschnittliche HSGler? Natürlich ist er vielfältig, da sind wir wirklich sehr beruhigt. Er entspricht keineswegs dem Stereotypen, wie es unterhalb des Rosenbergs, ausserhalb von St. Gallen und sogar über die Grenzen der Schweiz hinaus oft wahrgenommen wird. Dennoch gibt es natürlich Tendenzen, und wenn man den typischen HSG-Studierenden einmal überspitzt in wenige Worte fassen will, kommt ungefähr Folgendes dabei heraus: Der durchschnittliche HSGler hat eine liberal-freisinnige Einstellung, isst Fleisch, trinkt zwei- bis dreimal wöchentlich Alkohol, wohnt entweder in St. Fiden oder am Rosenberg, geht meistens in die Vorlesung, ist mit dem Service des Studierendensekretariats eher unzufrieden, ist aufgrund persönlicher Interessen Mitglied in einem studentischen Verein, hatte bereits zwei ernsthafte Beziehungen, möchte später zwei Kinder haben, hat mehr Angst vor einem unerfüllten Leben als vor Atomkraft und glaubt, dass es unsere Generation schwerer haben wird als die Generation unserer Eltern.
Klischees und Unerwartetes
Du findest dich darin nicht wieder? Dann gehörst du entweder zu den 0.4 Prozent Veganern, den 8.7 Prozent, die in einer Verbindung sind, oder den 1.4 Prozent, die sich tapfer für den Kommunismus einsetzen. Oder du bist sonst irgendwie besonders. Wie eigentlich jeder an der HSG.
Und das ist das beruhigendste Ergebnis dieser Studie. Zwar wurden einige Klischees bestätigt (Männer trinken lieber Bier als Frauen; HSGler sind wegen des Rufs an dieser Uni), aber dennoch hat diese Umfrage einige Details ans Licht befördert, die man in dieser Form vielleicht nicht vermutet hätte.
Wie das im Einzelnen aussieht, ob die BWLer mehr Angst vor der Finanzkrise haben als die VWLer und ob die Männer wirklich mehr Pornos konsumieren, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.
Das ist für euch.
das trieft vor pathos und populismus!
Du willst also sagen, dass der Artikel leidenschaftlich geschrieben und nah am Volk ist? Da gebe ich dir recht. Das ist aber einfach wieder typisch prisma...
wenn du pathos mit leidenschaft und populismus mit volksnähe gleichsetzen willst, dann ja. so richtig aufgepasst hast du in dem fall aber weder im deutsch- noch im geschichtsunterricht...
gleichsetzen ist sicher das falsche wort, vielmehr lag meine intention im bereich einer korrektur bzw. ausformulierung deiner worte. doch auch wenn ich deinen zynismus ernst nehmen will, komme ich auf keinen grünen zweig: pathos lässt sich direkt mit Leiden(schaft) übersetzen (!!! nicht etwa nur gleichsetzen) und der populismus wurde zwar - um dein geschichtliches argument aufzugreifen - mehrfach missbrauchend verwendet. doch bezeichnet er dem wortursprung nach einfach nur eine nah am volk (bzw. im sinne des volkes) gehaltene handlung. das ist ja mal zunächst nichts schlechtes. eine presse, die nah am volk ist, steht exemplarisch für den demokratischen gedanken. es sei denn, der populismus weist charakteristika einer (missbräuchlichen) manipulation auf. die kann ich aber im artikel nicht finden, sorry. es fällt mir also schwer, deine negative kritik (denn anscheinend war deine bemerkung abschätzig gemeint) tatsächlich negativ zu verstehen. und sollte ich in meinen ausführungen tatsächlich ein mangel an geschichtlichem, ethmylogischem oder sonstigem wissen signalisieren, so brenne ich geradezu darauf, von dir belehrt zu werden.
Ich glaube, Populismus meint heutzutage eher Hochstilisierung des Volkes als Nähe zu ebendiesem. Das Volk ist mit Bezug auf die Presse die Leserschaft, die an dieser ach so tollen Umfrage mitgemacht hat und daher in diesem Artikel, gelinde gesagt, über die Gebühr gelobt wird. "Das ist nur für euch, die Studierenden der Universität St. Gallen. [...] Um genau zu sein: Das ist nicht nur für euch – das seid ihr." Das als reine "Volks"-Nähe beziehungsweise Nähe zum Leser zu sehen, ist einfach nur naiv. Pathos indes bezeichnet meines Wissens nach heutzutage eine übermässige, theatralische Darstellung von Emotionen. Und eine solche findet sich in den ersten paar Abschnitten dieses Textes, oder etwa nicht?