Wie man nur mit einer Filmkamera, die ehrlichsten Bilder aufnehmen kann.

Wir werden alle irgendwann Sterben und es wäre schön, dabei mitreden zu können, wie das geschieht.» Damit beginnt die Kurzdokumentation «Extremis» vom Regisseur Dan Krauss. Der Tot ist ein Thema, das gemieden wird. Es ist unangenehm über die Endlichkeit des eigenen Lebens nachzudenken, doch genau an diesem Punkt setzt «Extremis» an. Während der knapp zwanzigminütigen Dokumentation begleiten wir die Ärztin Dr. Jessica Zitter und ihr Team. Als stiller Begleiter verfolgt die Kamera das Geschehen auf der Intensivstation des Highland Krankhauses in Rochester und gibt dem Zuschauer einen kurzen aber bleibenden Einblick in das Schicksal zweier Patienten. Da ist eine Frau namens Donna. Sie ist im Endstadium einer Myotonen Dystrophie, eine Muskelerkrankung, die zu Muskelschwäche führt. In der ersten Szene sehen wir ihren Ehemann und ihre Tochter. Eine Ärztin versucht gerade die möglichen Optionen für Donna zu erklären. Gleich darauf lernen wir Selena kennen, eine ältere Frau die auf dem Weg ins Krankenhaus einen Herzstillstand bekommt und fast 20 Minuten tot ist bevor sie durch eine Herzmassage wiederbelebt wird. Selenas Tochter wirkt gefasst, wie der Rest Familie, der sich im Warteraum versammelt hat. Beide Schicksale haben eines gemeinsam, die Angehörigen stehen vor schwierigen Entscheidungen. In beiden Fällen sind die Prognosen der Ärzte sehr schlecht. Immer wieder werden einem Szenen gezeigt, in denen das Team rund um Dr. Zitter berät. Nichts wird beschönigt. In dieser unverfälschten Art liegt die Stärke dieser Dokumentation. Obwohl sie sehr kurz ist, regt sie einen zum Denken an. Würde, Ethik, Vertrauen und Hoffnung sind Themen die immer wieder aufkommen. Man versetzt sich in die Lage der portraitierten Angehörigen. Wie würdest du entschieden? «Extremis» zeigt wie die Angst vor Verlust zur Lähmung werden kann und wie es ist, täglich damit konfrontiert zu sein.