Jeder, der keine der heiss begehrten Wohnungen auf dem Rosenberg ergattern konnte, kennt es: die allmorgendliche Qual auf dem Weg zur Uni. Unten am Blumenbergplatz geht es los und erst gefühlt eine Milliarde Treppenstufen später erreicht man den Vorplatz des Hauptgebäudes. Doch kaum hat man sich den Schweiss von der Stirn gewischt und bereits die ganze Wasserflasche geleert, da schwant einem beim Blick in den Kalender Furchtbares: 01-3xx – das bedeutet noch mehr Stufen, noch mehr Leiden und das früh morgens. Wer im ersten Stock angekommen ist, hat fast schon aufgegeben, aber auf dem letzten Stück der beschwerlichen Reise hat es der Architekt des Hauptgebäudes endlich einmal gut mit uns gemeint. Denn die Treppenstufen, die vom ersten in den zweiten Stock des Hauptgebäudes führen, sind bei weitem nicht so hoch wie alle anderen Stufen auf den Rosenberg.
Endlich kann sich der völlig ausgelaugte Student ein wenig erholen. Aufgrund der geringen Stufenhöhe bewegen sich die Füsse fast von selbst und auf dem letzten Abschnitt des langen Weges fliegt man förmlich ans Ziel.
War man auf dem ganzen Weg bisher nur damit beschäftigt, Durchhalteparolen vor sich hin zu stammeln, so kann der Tag beim Hinaufgleiten in den zweiten Stock beginnen. Mental kann die Pflichtlektüre für das erste Seminar des Tages nochmal vergegenwärtigt oder alternativ bereits der Ausgang am Abend per Whatsapp geplant werden.
Während wir auf dem ganzen restlichen Campus unsere Füsse stets in ungeahnte Höhen wuchten müssen, gibt es hier oben endlich mal die Möglichkeit, nach Lust und Laune ausgiebig zu schlurfen. Und nach all den Klippen, die jeden Tag erklommen werden: Wer freut sich da nicht auf ein bisschen Schlurfen?